Untersuchungen zum Schallschutz im mehrgeschossigen Holzbau

Geldgeber: Deutsche Gesellschaft für Holzforschung DGfH
Laufzeit: Februar 1997 - Mai 1999

Durch die Vielzahl möglicher Konfliktpunkte in Mehrfamilienhäusern gewinnt der Schallschutz in diesem neuen Bausegment erheblich an Bedeutung. Die Anforderungen der DIN 4109 an den Schallschutz zwischen fremden Wohnbereichen finden dort Anwendung.

Als Ausgangspunkt diente ein 1998 fertiggestelltes Gebäude in Holztafelbauart. Im Rahmen der umfangreichen Untersuchungen an diesem Objekt, die sich über den gesamten Fertigungsprozeß bis hin zum bewohnten Zustand erstreckten, konnten einzelne Maßnahmen des Baufortschrittes, sowie die Auswirkungen verschiedener Einbausituationen beobachtet und schalltechnisch bewertet werden. Bei der Vorausbestimmung des Norm-Trittschallpegels nach DIN 4109 Beiblatt 1 für gebrauchsfertige Holzbalkendecken zeigt sich, daß die Berechnungsergebnisse teilweise unwirtschaftlich große Sicherheiten aufweisen. Die berechneten Trittschallpegel nach Gösele stimmen dagegen mit den am Bau gemessenen Werten überein. Als Ergänzung der Meßreihen wurde eine Befragung zur Erfassung des subjektiven Geräuschempfindens durchgeführt. Alle Bewohner zeigten sich völlig zufrieden mit dem Gesamtschallschutz des Gebäudes. Vereinzelte Problempunkte ergaben sich hauptsächlich aus einem unangepaßten Nutzerverhalten oder aus vermeidbaren Konstruktions- oder Planungsfehlern. In übereinstimmung mit den Meßergebnissen, werden Schallübertragungen aus dem Treppenhaus wesentlich häufiger wahrgenommen als aus den Nachbarwohnungen. Da das Störmaß aber trotzdem nicht höher oder bei Trittschallgeräuschen sogar niedriger ist, zeigt sich eine größere Akzeptanz von Alltagsgeräuschen, die aus dem allgemein und häufig genutzten Treppenhaus kommen. Die Anforderungen der Bewohner an die Schalldämmung zwischen den Wohnungen sind deutlich höher als an Treppenhäuser. Trittschallgeräusche werden häufiger und lauter wahrgenommen als Luftschallgeräusche. Die Bewohner reagieren auf Lärm durch Körperschallanregungen stärker und fühlen sich so weit mehr gestört. Die Mindestanforderungen der DIN 4109 sind für die vorhandenen Bauteile bis auf einige ausführungsbedingte Ausnahmen eingehalten und können im Hinblick auf die allgemeine positive subjektive Bewertung der Schalldämmung für den Wohnungsbau als ausreichend angenommen werden. Die Vorschläge für einen erhöhten Schallschutz nach Beiblatt 2 werden nur teilweise erreicht und sollten den subjektiven Anforderungen besser angepaßt werden.

Bei der Untersuchung von Maßnahmen zum Erreichen höherer Tragfähigkeiten entstand ein überblick über tendenzielle Auswirkungen verschiedener Parameter auf den Gesamtschallschutz. Bei Erhöhung des Holzanteils im Querschnitt ist die Anzahl der Schallbrücken bzw. die Gefachbreite maßgebend. Mehrere dünne Beplankungslagen erzeugen eine bessere Schalldämmung als eine dicke Schicht. Schon bei einseitig zusätzlicher Beplankung kann eine deutlich höhere Schalldämmung beobachtet werden. Je mehr Masse schon vorhanden ist, desto weniger effektiv ist eine weitere Erhöhung. Die Art der verwendeten Verbindungsmittel spielt nur eine untergeordnete Rolle. Je mehr Schrauben oder Klammern verwendet werden, desto steifer wird der Aufbau und um so schlechter ist das schalltechnische Verhalten des Bauteils. Durchgehende Fugen oder Undichtigkeiten im Randbereich können die Schalldämmung eines Bauteils auch bei geringem Flächenanteil völlig zunichte machen. Wesentlich geringer ist der Einfluß von Fugen, die nur auf einer Bauteilseite vorhanden sind. Einseitige Fehlstellen lassen nur bei großer Anzahl minimale Verschlechterun-gen erkennen. Sind die öffnungen beidseitig gegenüberliegend vorhanden, so sinkt die Schalldämmung unabhängig vom Aufbau der Beplankung deutlich. Weiterhin wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem aufwendige Großversuche durch Kleinversuche ersetzt werden können. Die Umrechnung ist nicht linear und zeigt im Funktionsverlauf eine Abhängigkeit von der Qualität der Schalldämmung der Bauteile. Bei Bauteilen mit höherer Schalldämmung ergeben sich Ungenauigkeiten, da hier mit einem Einfluß der umgebenden Trennwand zu rechnen ist. Die beispielhafte Anwendung dieses Verfahrens zeigt, daß eine annähernde Beurteilung der Schalldämmung von eingebauten Wänden durch entsprechende Umrechnung in dieser Form vorgenommen werden kann. Mit dem Berechnungsverfahren für das resultierende Schalldämm-Maß nach DIN 4109 läßt sich das bewertete Schalldämm-Maß der eingesetzten Wandelemente rechnerisch bestimmen. Auch hier werden nur bei Elementen mit geringerer Schalldämmung Ergebnisse mit ausreichender Genauigkeit erreicht.

Zur Beurteilung des Einflusses von Störstellen und Nebenwegübertragungen auf die Gesamtschalldämmung im Bereich der Decken wurden Untersuchungen mit eingebauten Strahlern durchgeführt. Störungen durch kleine Flächen können für die Luftschalldämmung als vernachlässigbar angesehen werden. Verschlechterungen gegenüber dem ungestörten Zustand zeigen sich hauptsächlich bei der Trittschalldämmung. Auch bei Abflußrohren, die in die Holzbalkendecke eingebaut sind, zeigen sich bei abgedichteten Rohröffnungen keine nennenswerten änderungen gegenüber einem ungestörten Deckenquerschnitt. Dabei sollte besondere Sorgfalt in der Abdichtung liegen bzw. Konstruktionen mit durchgehenden Hohlräumen unbedingt vermieden werden. In der Trittschalldämmung vorhandene Leitungen können zu unplanmäßigen Kreuzungspunkten und Leitungsanhäufungen führen. Einbauten ohne beidseitigen Kontakt zu Rohdecke und Estrichplatte haben keinen Einfluß auf die Schalldämmung der Decke. Bei zu geringer Höhe der Dämmung und Ausführungsfehlern kann ein Kontakt zwischen Estrich und Rohdecke durch das Leitungsrohr entstehen, der zu erkennbaren Beeinträchtigungen der Schalldämmung führt. Je steifer die Schallbrücke ist, desto gravierender ist die Verschlechterung.

Ein weiterer Aufgabenbereich lag in der Zusammenstellung schon vorhandener zugänglicher Meßergebnisse im Hinblick auf eine Ergänzung der Tabellen in der DIN 4109 Beiblatt 1. Der entstandene Bauteilkatalog beinhaltet eine Zusammenstellung von insgesamt 1167 Messungen. Er dient zum einen der Erweiterung der für eine Vorausberechnung der Schalldämmung zur Verfügung stehenden Angaben. Zum anderen ist so eine allgemeine Einschätzung der Schalldämmung von Konstruktionen und Einzelmaßnahmen möglich, die dazu beiträgt, auf überflüssige und kostenaufwendige Einzelmessungen zu verzichten. Durch den vergleichenden überblick der schalltechnischen Qualität der vielen unterschiedlichen Konstruktionen, die derzeit auf dem Markt sind, können Unsicherheiten bei der Anwendung durch tendenzielle Einschätzungen und Gegenüberstellungen von Varianten reduziert werden.

Veröffentlichungen:

Bauen mit Holz 11/1999

Mikado 10 + 11 + 12/2000

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